Leider werden oft Falschaussagen in Bezug auf Piercings gemacht, oder die Kunden auch einfach nicht aufgeklärt, wodurch es zu Missverständnissen kommt. Daher habe ich hier einige Irrtümer zusammengefasst!
Leider werden die Kunden häufig nicht aufgeklärt, wodurch es passiert, dass nach ein paar Tagen die Kunden einen Schreck bekommen und meinen ihr Piercing wäre entzündet, weil Eiter austritt. Die aus der Wunde austretende weissliche Flüssigkeit ist jedoch meist kein Eiter, sondern Wundsekret (Exsudat, Absonderung)! Das Wundsekret ist ein Hinweis auf die zur Zeit in der Wunde ablaufenden Prozesse. Es ist nicht unbedingt ein negatives Phänomen. Sie ist reich an weissen Blutkörperchen und enthält ausserdem Serumproteine, Enzyme, Antikörper und Wachstumsfaktoren, die die Heilung begünstigen. Probleme ergeben sich jedoch, wenn die Absonderung massiv zunimmt oder einen faulen Geruch und ein purulentes Aussehen (stark gelb/eitrig, blutig, grünlich) annimmt, ausserdem das Piercing stark gerötet und geschwollen ist und schmerzt. Sollte dies der Fall sein, dann liegt evtl. wirklich eine Entzündung/ Infektion vor und sollte behandelt werden!
Durch die Drehung bzw. Bewegung ist die Gefahr, Schmutz in den Stichkanal einzubringen erhöht, was eine Infektion zur Folge haben kann. Ausserdem wird die Wunde ständig irritiert und gereizt und das neü Gewebe, das sich versucht zu bilden, wird immer wieder aufgerissen und dadurch die Wundheilung verzögert. Anfangs zieht sich das Gewebe etwas zusammen, wodurch der Schmuck etwas fester sitzt. Dies lockert sich aber nach einigen Wochen von selbst wieder. Gut verarbeiteter Schmuck kann nicht festwachsen! Desinfektionsmittel muss nicht in den Stichkanal, da der Köper innerlich selbst heilt. Wichtig ist, dass äusserlich desinfiziert wird, damit Bakterien gar nicht erst in den Stichkanal gelangen können.
Ausserdem besitzt der Körper eine sog. Kapillarwirkung, wodurch unsere Gefäße automatisch Flüssigkeit in die Wunde von aussen hineinsaugen!
Alkoholhaltige Desinfektionsmittel eignen sich allenfalls zur Erstversorgung einer Wunde, aber nicht zur täglichen Pflege eines Piercings ! Durch die häufige Anwendung trocknet der Alkohol das Gewebe aus und zerstört es. Siehe hierzu auch "Wund- / Desinfektionsmittel"
Im Gegenteil, die Wundheilung kann durch zu häufiges desinfizieren eher beeinträchtigt und verzögert werden. Nur Octenisept und Prontolind wurde bei einer Langzeitstudie als problemlos für die Wundheilung eingestuft, aber selbst dieses Mittel würde ich trotzdem nach ca 2- 3 Wochen absetzen. Bei zu häufiger Anwendung von Mundspülung (ausser H2Ocean und H2Ocean/Prontolind) kann es zu einer Störung der Mundflora kommen, was u.a. zu Zungenbelag und Mundgeruch führen kann.
Bauchnabel und Brustwarzenpiercings sollten nur einmalig und direkt nach dem piercen mit einem Pflaster bedeckt werden, um einbringen von Fusseln und Schmutz durch die darüber liegende Kleidung, in die frische Wunde zu vermeiden. Danach sollte kein Pflaster mehr getragen werden, damit Luft an die Wunde gelangen kann. Lediglich auf saubere, fussellose Kleidung sollte geachtet werden. Andere Piercings, die nicht von Kleidung bedeckt sind, müssen überhaupt nicht mit einem Pflaster geschützt werden. Es empfiehlt sich allerdings bei Menschen, die mit viel Schmutz, Staub, Haaren (Mechaniker, Friseusen, Reiter usw.) am Arbeitsplatz oder in der Freizeit zu tun haben, das Piercing während dieser Zeit mit einem Pflaster zu bedecken.
Dies stimmt nur bei wenigen Piercings, wie z.B. dem Lippenbandpiercing, und einigen Intimpiercings. Andere Piercings heilen weitaus besser, wenn Stäbe verwendet werden. Durch die Biegung und Bewegung eines Ringes lastet mehr Druck auf dem Gewebe und die Gefahr, dass Schmutz in den Stichkanal gelangt ist erhöht. Hinzu kommt, dass sich ein Ring oft auf eine Seite legt, wodurch der Stichkanal meist falsch abheilt.
Dies stimmt bei den meisten Piercings nicht . Auch wenn sich spät. nach 4 Wochen die erste Zellschicht erneuert hat, so ist der Stichkanal noch empfindlich und wenig belastbar. Durch zu frühes Wechseln kann es passieren, dass das Gewebe wieder aufreisst. Vor allem wenn ein Stecker mit scharfkantigem Gewinde verwendet wird. Vorsicht ist immer besser als Nachsicht, wie es so schön heisst, daher sollte mit dem Wechseln lieber etwas länger gewartet werden.
Im Gegenteil...Vor allem Ohrknorpelpiercings gehören zu den riskantesten Piercings überhaupt. Abgesehen davon, dass sehr viele Akupunkturpunkte, die Reizweiterleitungen an verschiedene Organ - und Körpersysteme darstellen, über das gesamte Ohr verteilt sind und es zu Störungen im Organismus kommen kann, liegt ein grosses Problem an der Beschaffenheit des Knorpelgewebes. Knorpelgewebe ist gefässfrei, d.h. es sind in diesem Gewebe keine Arterien, Venen oder Nerven enthalten. Jedes Gewebe braucht aber Nährstoffe, um leben zu können, und dies bezieht der Knorpel über die darüber liegende Haut. Wird nun der Knorpel beschädigt, oder entzündet sich die Haut, so kann es zu einer Unterversorgung des Knorpels mit Nährstoffen kommen, wodurch das Gewebe absterben kann. Leider regeneriert sich beschädigtes bzw. abgestorbenes Knorpelgewebe nicht wieder, und kann nur noch chirurgisch entfernt werden. Dadurch, dass das Ohr an sich wenig durchblutet ist, geschieht der Transport von Antikörpern ins Wundgebiet bei einer Infektion / Entzündung nur langsam und eine rasche Ausbreitung von Bakterien kann die Folge sein. Hinzu kommt, dass sich Knorpelgewebe deformieren kann. Diese Gefahr ist vor allem bei noch nicht ausgewachsenen Ohren gegeben. Das Wachstum des Gewebes kann an der Stelle, wo das Piercing angebracht ist gehemmt werden, wodurch es zu unschönen Deformation kommen kann. Dies kann auch durch das Schiessen mittels einer "Piercingpistole" und Verwendung falschen Schmuckes, sowie sofortigem Einsetzen eines langen Stabes bei einem Industrial Piercing der Fall sein.
Dies ist zwar an für sich richtig, jedoch sollte damit mind. die ersten 24 Stunden gewartet werden, da durch die starke Kühlung des Gewebes die Wundheilung nicht richtig beginnen kann und die Heilung dadurch verzögert bzw. verlangsamt ist.
Natürlich kann eine Infektion oder Entzündung sich immer ausbreiten, wenn nichts dagegen unternommen oder zu lange mit einer Behandlung gewartet wird und dadurch das komplette Gewebe samt aller Nerven angreifen. Soweit muss man es aber nicht kommen lassen. Durch den Stich selbst, vorrausgesetzt er ist unter hygienischen Umständen gemacht und richtig platziert, kann nichts passieren. Die Zunge selbst empfindet die 5 Geschmacksqualitäten süss, saür, salzig, bitter und umami. Diese sind an der Zungenspitze, an den Zungenrändern und im hinteren Drittel der Zunge angeordnet, wo nicht gestochen werden sollte. Zusätzlich befinden sich auf dem Zungenrücken unzählige Geschmacksknospen, welche aber immer wieder absterben und sich neu bilden. Dadurch ist eine Verletzung von ein oder mehreren solcher Geschmacksknospen nicht weiter tragisch. Um zu unterscheiden, worum es sich bei einem Objekt ( z.B. Apfel oder Orange) handelt, ist ausserdem der Geruchssinn entscheidend, da sich "Aroma Rezeptoren" im inneren des Nasen- und Rachenbereiches befinden.
Das Zungenbändchen (Frenulum linguale) verläuft von der Unterseite der Zungenspitze bis nach hinten, wo es meist Segelförmig zum Mundboden übergeht. Es ist eine mit Schleimhaut überzogene muskuläre Falte, die die untere Zungenfläche mit dem Mundboden verbindet. Es ist sogar bei einer angeborenen Ankyloglossie verkürztes Zungenbändchen) oftmals ratsam das Bändchen zu durchtrennen oder zu entfernen, wenn die Zungenbeweglichkeit stark eingeschränkt ist und es dadurch u.a. zu Artikulationsproblemen kommt. Die Beseitigung erfolgt chirurgisch entweder durch eine einfache Durchtrennung (Frenotomie) oder mittels einer so genannten Frenuloplastik. Ein verkürztes Zungenbändchen kann die Platzierung eines Piercings erschweren oder gar unmöglich machen. (Verkürzt ist übrigens der Ausdruck im Medizinischen Bereich, optisch würde man eher sagen es ist zu lang, geht also zu weit bis zur Zungenspitze nach vorne!)
Es gibt speziellen Piercingschmuck aus PTFE (siehe auch Materialkunde), einem flexiblen Kunststoff, der während der Schwangerschaft getragen werden kann. Vorteil dieses Materials ist, wie schon erwähnt, dass es flexibel also biegsam ist, und sich so dem "Wachstum des Bauches" anpasst. Ausserdem ist es im Ultraschallbild nicht sichtbar. Interessant ist das Phänomen, dass sich ein Bauchnabelpiercing ca. 1 Woche vor der Niederkunft meist leicht rötet und somit die Trägerin erfährt, dass die Geburt nicht lang entfernt liegt.
Diese Aussage ist zwar korrekt, allerdings kommt es auch immer auf den Eingriff an. Man sollte dies deshalb vorher mit dem Arzt abklären. Oft ist es gar nicht nötig, allen Schmuck zu entfernen. Muss der Schmuck aber auf jeden Fall entfernt werden, so empfiehlt sich während des Eingriffs einen Platzhalter in Form von Kunststoff Schmuck(z.B. PTFE , siehe auch Materialkunde) zu tragen. Dieser leitet keinen Strom, ist auf keinen Fall magnetisch und ist auf dem Röntgenbild usw. unsichtbar, und stellt somit kein Risiko dar.
Dies stimmt nicht unbedingt. Wenn ein Brustwarzenpiercing richtig gestochen wurde und es während der Abheilung keine Komplikationen gab, so kann ganz normal gestillt werden. Es gibt sogar Fälle, wo die gepiercte Brust mehr Milch abgegeben hat, als die Brust, die nicht gepierct war. Die Brustwarze enthält zwischen 15 - 20 Hauptmilchkanäle, die strahlenförmig angeordnet sind. Natürlich werden durch den Stich einige davon verletzt, jedoch sind genügend andere Kanäle übrig. Es besteht aber die Möglichkeit, dass durch die Vernarbung während der Abheilung oder durch eine Entzündung / Infektion des Piercings, andere Milchkanäle und umliegendes Gewebe geschädigt werden kann, wodurch der Milchfluss nicht mehr gewährleistet ist. Auch durch Einreissen des Piercings z.B. wenn man daran hängen bleibt, können mehrere Milchkanäle geschädigt werden. Deshalb empfiehlt sich bei der Brustwarze PTFE Schmuck zu tragen, da dieser flexibel ist und sich sozusagen mit dem Gewebe formt und dadurch ein Einreissen oft verhindert wird bzw. den "Schaden" geringer hält.
Die Gesichtsmuskulatur wird vom 7.Hirnnerv ( N. Fazialis) versorgt. Er ist ein paariger Nerv, d.h., es gibt ihn symmetrisch auf beiden Seiten des Kopfes. Er entspringt an seinem Hirnnervenkern im verlängerten Mark, dem untersten Bereich des Gehirns, der an das Rückenmark angrenzt. Von dort verläuft er zum inneren Gehörgang, weiter im Fazialiskanal durch den Schädelknochen, in dem sich das Innenohr befindet, und von dort zum Foramen stylomastoideum, der Austrittsstelle aus dem Schädelknochen. Diese liegt im Bereich des Warzenfortsatzes, der knöchernen Verwölbung hinter dem Ohr. Von dort gibt der Nerv einige kleinere äste zu verschiedenen Gesichtsmuskeln ab. Wird seine Funktion gestört, führt das zu Lähmungen der Gesichtsmuskulatur, die sich vor allem durch hängende Mundwinkel und einen nicht vollständigen Lidschluss bemerkbar machen. Die Ursache liegt häufig in einer harmlosen Entzündung des betreffenden Gesichtsnervs. In weniger harmlosen Fällen liegt sie in einer Störung der zentralen Steürung im Gehirn. Bei einem richtig platzierten Augenbraünpiercing ist es fast unmöglich einen Teil dieses Nerves zu verletzen!
Allerdings kann sich eine Entzündung / Infektion immer ausbreiten und umliegendes Gewebe und Nerven schädigen. Dies ist aber ein Risiko bei jeglichen Piercing!